1999, Anton spricht



Eulalia Proudly presents


Dä Chasper und die goldige Platte

Ein Theater zum Todlachen in 2 Akten


Das Vorspiel:
In einer dunkeln Vorortsgasse. Der Kasperli (Anton) und der Seppli (Roger) finden unter Müllsäcken begraben den in der Agonie liegenden, übel nach Gin und Knoblauch riechenden Polizisten Mäk Geifer (Nosi). Der rülpst nur noch leise vor sich hin: A, B, C, D, bis er nur noch CeDe herausbringt und still seinem Suff erliegt. Was war geschehen? Blenden wir zurück an den Hofseiner Majestät Surlibur L. Der alte dicke König (Suri), der sich vor Urzeiten noch stolz mit dem Beinamen Surlibur de Schöön schmücken durfte, liegt unbeweglich in seinem Thron, ausserstande Schloss Wildbach zu verlassen. Der scheusslich dumme Teufel (Üse) hatte ihn nämlich mit einem vergammelten Haifisch vergiftet, um ihm den Ring zu klauen. Seither leidet der arme König an einem Gürtelleiden, muss ein widerwärtiges Suspensorium tragen und ist nunmehr unfähig, die Welt, geschweige denn die Eulalia zu regieren. Doch so weit wäre es gar nicht erst gekommen, hätte nicht das raffinierte Luder, die hässliche Hexe Schlampada (Rägi), aus lauter Frust über ihre unerwiderte Liebe zum gefürchteten Zauberer Suffuus (Kieni) die märchenhaft schöne Königstochter, vom Volksmund liebevoll BMW (Black Magic Women) genannt, in ein mordgieriges Krokodil (Röbi) verwandelt und dieses auf die Insle verbannt. Dem klugen Lehrer und königlichen Kapellmeister GeDur (Gusti) war es vergönnt, zusammen mit dem. erfindungsreichen Kasperli, das Rezeptbuch mit dem schönen Titel: All My Loving des mächtigen Zauberers, der, wie wir bereits wissen, das ständige «Ilove You» der abgrundtief hässlichen Schlampada nicht erwidert hatte, unter dfem Kopfkissen weg zu klauen. Kasperli und GeDur, die einzigen im Lande, die des Lesens kundig sind, hatten das verschlüsselte Rezept auch bald entziffert: Es hiess CCR. Das Rezept war einfach: Nur ein an einem Pastissössli gedünstetes Krokodilleberli, feinsäuberlich zubereitet vom Hofkoch Aldente (Pastis) und Pastetli, gefüllt mit drei Barthaaren der bösen Hexe, verfeinert mit der Schwanzquaste des fiesen Teufels und serviert auf einer goldenen Platte, konnten den König noch retten, den Ring zurückbringen und BMW wieder zur Prinzessin machen. Im Rezeptbuch fehlte aber die Seite mit dem nötigen Zauberspruch. Diese hatte der böse Räuber Haudri (Tobi) tags zuvor gestohlen, nachdem er den sauberen Zauberer ganz sauber mit Jägermeister betäubt hatte. In seiner Not beschloss der König, all seine Untertanen auf die Krokodiljagd zu schicken und auch die treuen Passiven am Kasperlitheater gegen einen mikrigen Eintrittspreis von Fr. 30.00 zu beteiligen und schickte den Kasperli mit dem Segen von Pfarrer Frommli (Ralf) auf die Insle. Dort angekommen tat sich der Kasperli, da der Doofkopf Seppli für solch knifflige Detektivabenteuer völlig ungeeignet war, in Dublin mit James Bond zusammen, schlug kurzerhand Dr. Kimble in die Flucht und machte in einem stinkigen Pup, wo nur Beatles und Dixiland-Rock gespielt wurde, mit dem Räuber kurzen Prozess. Wum zack eins über die Laterne, und die elende Schluckdrossel fiel mit einem lauten O mein Papa vom Barhocker direkt auf das arme Krokodil. Der Kasperli nahm die betäubte Prinzessin, besser gesagt das Krokodil, das nur noch leise Love Me Tender gluckste, behutsam an der Leine und verliess mit einem schlichten Mercy das Pup und den verdutzten James Bond. Dieser blieb mit einem saloppen Youre Welcome bei seinem gerührten Martini und murmelte etwas von Those Were The Days. Alsbald traf Kasperli den Seppli und beide zusammen entdeckten den tölpelhaften Polizisten, der, als er der Grossmutter (Elvira) über die Strasse helfen wollte, wegen vermeintlicher sexueller Belästigung vom Grosi k.o. geschlagen und unter den Müllsäcken versteckt wurde. Zwischen Mäk Geifer und dem Müll lag auch die fehlende Seite mit dem Zauberspruch: Er lautete schlicht und einfach Coco Jamboo. Der listige Kasperli fand schnell heraus, das mit CeDe, den zwei Buchstaben aus dem Alphabet, die goldene Platte gemeint war, packte das Krokodil, das jetzt bittere Tränen vergoss und immer wieder Treat Me Nice bettelte, in des Räubers Sack und knallte diesen mit einem triumphierenden / Got Rhythm auf des Hofkochs Küchentisch. Dä Ferdinand isch gschtorbe plärrte und jammerte die Grossmutter, die – dem fortgeschrittenen Alzheimer sei dank - nicht mehr wusste, dass das verzauberte Krokodil in Wirklichkeit BMW hiess.Pfarrer Frommli sprach seinen Exorzismus über Barthaare und Schwanzquasten, Aldente goss, während er die Messerwetzte, kräftig Pastis nach. Dann sang der Kasperli sein Tra-, tra-, trallalla, GeDur las das Rezept CCR vor und begann den Zauberspruch Coco Jamboo zu murmeln. Und alle wären Happy Together gewesen, hätten sie nur auch die CeDe gehabt. Da diese aber noch fehlte, mussten sie alle halt für diese verfluchte goldene Platte noch nächte- und samstagelang üben und üben und üben.
So, liebe Kinder und Passive. Jetzt wisst Ihr genau, was los ist. Wer aber wissen will, ob der listige Kasperli den armen König Surlibur tatsächlich retten kann, der zahle schleunigst seine 30 Fränkli an die Kasperlitheaterkasse ein und verpasse um des Teufels Willen den 1. Akt in Wil und den 2. auf allen einschlägigen Bühnen der Stadt Winterthur nicht.