1993, Anton spricht

Eulalia 93
Passive, Freunde/Freundinnen, Gönnerinnen
2. Februar 1993
Teil 1

Mein Getränk und ich
Der unaufhaltsame Aufstieg der Eulalia zum Teebeutel

Doch mir sind nonig gschtorbe, juhe juhe, juhe

Dieser für uns und unsere treuen Fans trostvolle Vers aus einem unserer diesjährigen Hits (Text im Anhang abzusingen nach Mani Matter/Eulalia) bringt es glasklar an den Tag: es gibt uns, je länger je mehr, immer noch.
Lebendiger denn je. wenn auch einige inzwischen etwas älter, legen wir die Tatsachen unserer Geschichte auf den Tisch der Weltöffentlichkeit. Outing ist in, im Trend der Zeit. Wir sagen frisch von der Leber, was Sache ist, kommen raus mit längst bekannten Wahrheiten, decken unsere Sünden, Laster, geheimen Wünsche schonungslos auf. Freuen uns unseres nunmehr schon dreissigjährigen Lebens.

sind das Jaar driissgi worde, das tuet ois gar nid weh; für d’Musig hämmer gworbe..

Wer wie wir in den letzten dreissig Jahren dem Alter und seinen Zwängen, dem Gusti und dem Gusto der Zeit gehorchend, sich unter Aufbietung der letzten Kräfte und unter enormem musikmeisterlichem Drill vom Tärämtämtäm Tärämtämtäm zu Rock,-Popp und Opernklängen emporgeschwungen, der braucht sich nicht zu verstecken. Dem darf wohl mit Fug und Recht attestiert werden, dass er nicht nur älter, sondern menschlich wie musikalisch reifer geworden ist. Da können wir nur sagen: Schappo.
Inätrommlä, Usetrommlä vorbei, Probezeiten für Neumitglieder ein alter Hut, die anno dazumal prachvollen Hüte passé, endgültig vorbei die Zeiten alkoholischer Exzesse. Auch das Kässelä war noch nie unsere Stärke. Nun, was geblieben ist?
Zwei Handvoll unersättlicher und unverwüstlicher älterer Männer, 2 (in Worten: zwei) ebensolche aber junggebliebene Frauen, fast saubere Döön und eine fast leere Kasse.

So bringen wir denn unser Jubiläum fast ohne Zaster im intimen Rahmen und in aller Bescheidenheit über die Bühne.

und gsoffen au, wie Chüe; doch mir sind nonig gschtorne es isch noz' 'früe.

Früher, im Saft unserer Jugend und bei voller Kasse, hätte es, unserem Image gemäss, zu solch einem Jubelanlass mit tödlicher Sicherheit eine Magnum Wöf Klicko, später dann, in unserem Sturm -und Drangjahren sicher noch ein Spezii abgesetzt. Heute aber, im Zenit unserer Reife, soll und muss ein nüchtener Teebeutel allemal reichen.


Eulalia 93
Passive, Freunde/Freundinnen, Gönnerinnen

2. Februar 1993
Teil 2

So ist denn unser Jubiläumsmotto: "Mein Getränk und ich" einerseitzs wehleidige Reminiszenz an unsere glorreiche und turbulente, endgültig vergangene Vergangenheit. Andererseits ist es Spiegelbild unserer Gegenwart. So ist der Teebeutel Symbol unseres Wandels und ein Versprechen für die Zukunft.
Sicher werden wir uns dann und wann, so sich ein spendabler Passiver findet, ein Cüpli in Ehren gönnen, lassen wir uns, sofern er von einer unserer übriggebliebenen zahllosen Verehrerinnen berappt wird, hin und wieder zu einem kleinen Gin Tonic verführen. Grundsätzlich aber sind eher Milch und Ovo angesagt, versuchen wir uns mit Nesquick und mit Isostar bis zur Auflösung über die Runden zu bringen, unsere Auftritte jeweils mit dem beruhigenden und besinnlichen Ritual des Teetrinkens zu beenden.
So wartet also auch ihr nicht ab, trinket Tee und nehmet denn unseren Pin mit Freude, Dankbarkeit und eingedenk des rapiden Wandels auch in unserer Kasse entgegen. Tragt den Eulalia-Anstecker in Ehren, verscherbelt ihn nicht zu Dumpingpreisen (der Sammlermarkt befindet sich jetzt schon in hellem Aufruhr, die Preise an den Sammlerbörsen schnellen bereits ins Exorbitante) und stimmet ein mit uns in unsere optimistische Jubiläumshymne! Also hoch die Teetassen!

Milch und Tee tüend au nöd weh!

Anton



P.S. Die Jubiläums-Matter/Eulalia-Hymne im Wortlaut:

De Ferdinand isch gschtorbe
ojeh, ojeh, ojeh.

De Ferdinand isch gschtorbe,
es tuet mer hütt no weh.

Er, wo so vill hätt gworbe
um Liebi im Quartier.

De Ferdinand isch gschtorbe,
das arme Tier.

Doch mir sind nonig gschtorbe juhe, juhe, juhe. Sind das Jaar driissgi worde das tuet ois gar nid weh. Für d'Musig hämmer gworbe und gsoffen au, wie Chüe. Doch mir sind nonig gschtorbe es isch no z'frue.